
Konzept der Berufs- und Studienorientierung März 2010
I. Ziel der Berufs- und Studienorientierung
Ausgehend von der Beobachtung, dass die meisten unserer Schüler/innen in der Sekundarstufe I die Übergangsschritte in das Berufsleben sehr zögerlich oder gar nicht tun und lieber den Weg in vertraut erscheinende schulische Einrichtungen (Berufskollegs, Sekundarstufe II) suchen, als sich dem Druck des Ausbildungsmarktes auszusetzen, ist es unser Ziel,
- Selbstbewusstsein und Eigeninitiative unserer Schüler/innen zu fördern,
- die Erkenntnis der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, der eigenen Interessen, aber auch der noch aufzuarbeitenden Defizite zu verbessern,
- unseren Schüler/innen den Zusammenhang von Berufsentscheidung und Lebensplanung frühzeitig bewusst werden zu lassen,
- unseren Schüler/innen eine gute Kenntnis der Berufs- und Arbeitswelt möglichst erfahrungsorientiert zu vermitteln.
Berufsorientierung in unserer Schule will die Schülerinnen befähigen, aktiv die eigenen Übergangsschritte zu planen, die professionellen Beratungsangebote sinnvoll zu nutzen und gut vorbereitet in Bewerbungsverfahren zu gehen.
Für die Schüler/innen der Sekundarstufe II gilt es darüber hinaus,
- die Chancen nach jedem weiteren erfolgreich abgeschlossenen Schuljahr und jedem weiteren erreichten Teil- /Abschluss zu klären,
- einen guten Überblick über Studienangebote und erste Einblicke in Hochschulen zu vermitteln,
- Informationen zur Studienfinanzierung zu erhalten,
- sich mit der eigenen Befähigung und Neigung zum Studium auseinanderzusetzen,
- eine begründete Entscheidung zwischen Berufsausbildung oder Studium zu treffen.
II. Elemente der Berufs- und Studienorientierung
Die Berufs- und Studienorientierung in der Schule lebt von der Integration des Unterrichtsangebotes, der Betriebspraktika, der schulinternen begleitenden Beratung, der Zusammenarbeit mit den Eltern, der Inanspruchnahme der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit, der Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen und mit vielen außerschulischen Partnern.
Aus dieser breit angelegten Zusammenarbeit geht die Vielfalt der Projekte, Veranstaltungen, Einblicke in die Berufswelt und Unterrichtsangebote an der Martin-Luther-King-Gesamtschule hervor, wie die Mind-Map im Anhang verdeutlicht.
1. Berufsorientierung im Fachunterricht
Den Kern des berufsorientierenden Unterrichts bildet das von der 8. bis zur 10. Klasse zweistündig erteilte Fach Wirtschaftslehre/Berufsorientierende Maßnahmen (= Wibom).[1]
Diesem Fach obliegt die Berufskunde, die Vor- und Nachbereitung der Praktika, das Bewerbungstraining und die Führung des Berufswahlpasses. Erteilt wird dieses Fach zum Teil auch fachfremd durch eine/n Klassenlehrer/in. In Ausnahmefällen übernimmt ein/e Fachkollege/-kollegin.
2. Das Berufsorientierungsbüro
Das Berufsorientierungsbüro (=BOB) bietet individuelle Förderung durch begleitende Beratung, Einzel- und Kleingruppenbetreuung. Der Schwerpunkt der Arbeit des BOB liegt in der individuellen Vertiefung der in Wibom allgemein bearbeiteten Themen: Klärung und Entwicklung des eigenen Profils, Abgleich der Berufswünsche und Lebensplanung mit den realen Voraussetzungen, Erstellen einer Lernplanung zur Aufarbeitung von Defiziten. Hinzukommt die Erarbeitung einer digitalen Bewerbungsmappe, die Unterstützung der Praktikumsplatzsuche bei Problemfällen usw. All dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Klassenleitungen und der Beratungslehrerin der Abteilung 8-10.
Dem BOB stehen zur Zeit 7 Lehrerstunden zur Verfügung. Im Jahrgang 9 ist das BOB parallel zum Wibom-Unterricht besetzt, so dass eine enge Zusammenarbeit ermöglicht wird. Beratung für die übrigen Jahrgänge findet zu festgelegten Stunden hauptsächlich in den Mittagspausen statt.
Personell ist das BOB insgesamt von 6 Kollege/inne/n betreut. Das BOB-Team besteht aus der Berufswahlkoordinatorin und zwei weiteren ständig mitarbeitenden Berater/innen. Hinzukommen 3 Jahrgangsberater/innen, das sind Klassen-/Wibom-Lehrer/innen, die ihren Jahrgang von der 8. bis 10. Klasse auch als BOB-Berater begleiten. Nach und nach wird so ein Großteil des Kollegiums mit der Arbeit im BOB befasst.
Für die Wibom unterrichtenden Kollegen und Kolleginnen bietet das BOB Fachliteratur und Medien, sowie eine Sammlung von Unterrichtsmaterial. Ständig angeboten und verteilt werden Informationen und Publikationen zur Berufsberatung, Ausbildungsangebote und
Praktikumsangebote. Auch eine Sammlung zur Berufskunde ist im Aufbau. Für Kollegen der 8. Jahrgänge veranstaltet das BOB eine Einführung in das BOM-Konzept.
Das BOB ist außerdem der Ort für professionelle Berufsberatung durch die Berater der Bundesagentur für Arbeit, die hier in regelmäßigen Abständen Einzelgespräche anbieten.
Bei Beratungsbedarf zu Schulmüdigkeit / Schulverweigerung bietet das Dortmunder Beratungsnetzwerk vertreten durch die Dortmunder Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (=dobeq) im BOB regelmäßig Beratungstermine an.
3. Der Dortmunder Berufswahlpass
Im Dortmunder Berufswahlpass (=BWB) strukturieren und ordnen die Schüler/innen alle persönlichen Ergebnisse der Berufsorientierung, sammeln sie bewerbungsrelevante Unterlagen und haben damit eine umfassende Grundlage für alle Beratungsgespräche.
Als Medium verbindet und systematisiert der BWP Unterricht, Beratung und Bewerbungsschritte.
Der BWP wird zum Halbjahr 8 feierlich und in Verbindung mit einem Elternabend (s. o.) übergeben, verbleibt aber bis Ende 9 in der Schule, wird in Wibom und in BOB-Beratungen bearbeitet und ergänzt und wird im Rahmen einer abschließenden Veranstaltung für Eltern und Schüler/innen zur weiteren Benutzung während der Bewerbungsphase mit nach Hause gegeben.
4. Elternarbeit
Im 8. Jahrgang wird ein Elternabend zur „Berufsorientierung in Schule und Elternhaus“ angeboten. Hier wird von der Berufswahlkoordinatorin das BOM-Konzept und ins besonders der Berufswahlpass und das BOB vorgestellt.
Am Ende des 9. Jahrgangs wird eine gemeinsame Veranstaltung für Schüler und Eltern zum „Übergang ins Berufsleben“ angeboten. Hier werden die bearbeiteten Berufswahlpässe übergeben, konkrete Hinweise zur Elternrolle in der Bewerbungsphase und weitere nützliche Informationen gegeben.
Thematisiert wird Berufsorientierung natürlich an Elternsprechtagen, bei Klassenpflegschaftssitzungen und sonstigen Elterngesprächen.
5. Praktika
Ein dreiwöchiges Betriebspraktikum in der Klasse 9 und ein zweiwöchiges Betriebspraktikum in der Klasse 10 sind wesentliche Elemente der Berufsorientierung. Vorbereitung wie Nachbereitung durch Nutzung eines online berufprofilings, durch Erstellung von Praktikumsmappen und Vorträgen, sowie eine Evaluation durch Befragung der Schüler/innen, der praktikumsbetreuenden Kollegen und Kolleginnen, wie auch der Betriebe stellen dies sicher.
6. Gendergerechte Berufsorientierung
Die Teilnahme der Mädchen am Girls´ Day wird ab Klasse 5 gefördert. Die Jungen dürfen ebenfalls teilnehmen, wenn sie sich einen „Frauen“beruf aussuchen. Im 8. Jahrgang ist die Teilnahme verpflichtend. Die Mädchen suchen sich einen Praktikumsplatz, die Jungen nehmen an einem Projekt zu Selbstwahrnehmung und männlicher Geschlechtsrolle teil.
Mit der Vorbereitung dieser Tagesprojekte ist zumindest einmal jährlich das Thema in jeder Klassenstufe relevant.
7. Seminare, Projekte und Einzelveranstaltungen
Ergänzt wird unser Berufsorientierungsangebot durch das Angebot außerschulischer Kooperationspartner, wodurch außerschulische Lernorte und außerschulische Kompetenz genutzt werden können:
Theaterpädagogisches Projekt zum Bewerbungstraining Klasse 8 / 9 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Partner für Schule – Zukunft fördern/ RAA / zweimalig
Berufs-Qualifizierungsspiel zum Bewerbungstraining Klasse 9 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Partner für Schule – Zukunft fördern und der RAA
Anti-Stress Seminar DASA 8. Jahrgang eintägig / regelmäßig
BIZ-Einführung BA 9. Jahrgang eintägig / regelmäßig
ÖPNV-Seminar DSW 9. Jahrgang eintägig / regelmäßig
Bewerbungstraining Praktiker AG 9. Jahrgang eintägig / regelmäßig
Energieseminar DEW 9. Jahrgang eintägig, regelmäßig
Sparkassen-Seminar, 9. Jahrgang, eintägig, regelmäßig
Assessmentcenter Bewerbungstraining Sek II in Zusammenarbeit mit der Praktiker AG
eintägig / jährlich
Berufserkundungstag der Firma Bilfinger Hochdruck Rohrleitungsbau 10. Jahrgang, eintägig
Realitäts-Check: IT-Berufe, in Zusammenarbeit mit der Comline AG , monatlich
8. Berufs- und Studienorientierung in der Sekundarstufe II
Die Schüler/innen des 11. Jahrgangs bekommen verbunden mit einer Informationsveranstaltung den Berufswahlpass Sek.II zur Verfügung gestellt.
Es finden jahrgangsspezifische Informationsveranstaltungen mit dem Berufsberater der Bundesanstalt für Arbeit statt. Zudem werden im BOB Einzelberatungstermine durch den Berufsberater angeboten.
Je nach Gelegenheit werden Hochschulinformationstage, Praktikumsangebote der Hochschulen, etc. vor allem für den 11. Jahrgang genutzt.
Berufs- und Studienorientierung in der Sekundarstufe II findet bisher wesentlich als begleitende Einzelberatung durch die Beratungslehrer/innen der Jahrgangsstufen statt. Oft handelt es sich dann um eine „Notfall“beratung, wenn vorzeitige Abgänge anstehen. Ein Angebot des BOBs besteht ebenfalls, wird aber nur vereinzelt genutzt. Hier muss noch ein Konzept ausgearbeitet werden.
9. Junior Business School
Kontinuierlich wird für den 11. Jahrgang in Zusammenarbeit mit der TU Dortmund ein betriebswirtschaftliches Projekt als freiwilliger Ergänzungsunterricht angeboten. Die Teilnahme wird von der Universität zertifiziert und kann im Rahmen eines späteren Studiums anerkannt werden.
9. Schlussbemerkung
Der Dortmunder Berufswahlpass und die Einrichtung eines Berufsorientierungsbüros mit Hilfe der Stiftung Partner für Schule stellen einen wesentlichen Beitrag zum umfassenden Berufsorientierungskonzept der Martin-Luther-King-Gesamtschule dar. Wir freuen uns darüber und setzen die damit verbundenen Möglichkeiten mit großem Engagement um.
Immer mehr Familien unserer Schülerinnen und Schüler sind jedoch von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Gerade Kinder dieser Familien brauchen eine Schule, in der sie arbeiten und leben können. Gerade sie brauchen einen Ausbildungsmarkt, von dem ermutigende und nicht abschreckende Signale ausgehen. Sie brauchen kostenlose Studienplätze.
Sponsorengelder, gut gemeinte Kooperationsangebote oder gar „Bildungsgutscheine“ können jedoch gut ausgestattete Schulgebäude ohne bauliche Mängel, eine gute personelle Ausstattung der Schulen angesichts dieser wachsenden Aufgaben nicht ersetzen. Bildung ist und bleibt eine öffentliche Aufgabe.
R. Hartmann – Berufswahlkoordinatorin